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Na ja

Joseph Weizenbaum, Informatiker und Computerkritiker, war Gast im Dessauer Bauhaus: Ein wacher Geist, der mit seinen 84 Jahren auch die Jungen in den Bann schlägt.

Joseph Weizenbaum ist ein fröhlicher Pessimist. Er kann es auch sein, hat er doch die Lösung gefunden, Atomkriege endgültig zu verhindern und die Gefährdung der Menschen durch den Klimawandel abzuwenden. Man müsse sich nur entscheiden: Entweder einen Atomkrieg zu führen, der die Menschheit vernichtet. „Dann kann uns der Klimawandel egal sein.” Oder weiter Treibhausgase in die Atmosphäre zu pumpen – dann braucht es keinen Atomkrieg, um nach und nach die Zivilisation auszulöschen. Das Publikum lacht. Weizenbaum sagt: „Na ja.”

Na ja. Weizenbaum spricht es oft an diesem Donnerstagnachmittag in der überfüllten Bauhausaula, wo er einen Vortrag hält. Joseph Weizenbaum, 84 Jahre. Professor am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Einer, der von sich behauptet, seine Kollegen nicht zu verstehen. Nämlich jene, die glauben, Computer und Programme immer menschenähnlicher machen zu können. »Es ist im Prinzip unmöglich, den Menschen zu begreifen«, lautet einer seiner 20 Thesen, an die er glaubt. Die Versuche, Roboter menschenähnlich zu konstruieren, erwachse aus dem Uterusneid („ein Wort, das ich erfunden habe”). „Da verbünden sich KI (künstliche Intelligenz – Anm. des Autors) und natürliche Dummheit.”

Weizenbaums Skepsis kommt nicht von ungefähr. Wenn er über Computer spricht und Roboter, dann mit dem Wissen eines Informatikers und Mathematikers. Eliza machte den aus Deutschland geflüchteten Juden in den 60er Jahren berühmt. Eliza war ein Programm, wie es zuvor keines gab. Es schien natürliche Sprache zu verstehen.

Eliza spricht

Ein Beispiel. „Ich habe schreckliche Kopfschmerzen.” – „Sie sollten einen Arzt aufsuchen, ich bin Psychiater.” – „Gut, das werden ich tun.” – „Können sie das näher erklären?” – „Was soll das heißen? Nein, ich kann das nicht näher erklären. Und tschüss.” – „Warum sagen Sie das?” – „Na, Sie reden Unsinn.” – „Wie kommen Sie darauf, dass ich Unsinn rede?” – „Das ist doch alles sinnlos.” – „Vielleicht hat das mit ihren Plänen zu tun?”

Weizenbaum war entsetzt. Ein relativ simples Programm genügte, um Menschen glauben zu machen, sie würden nicht mit einer Maschine kommunizieren, sondern mit einem Menschen. Er wurde, wie er selbst sagt, zum Dissidenten am MIT, zum Kritiker des bedingungslosen Glaubens an Naturwissenschaft und Technik. „Es gibt keine wertfreie Wissenschaft.” Auch sie sei dem Zeitgeist unterworfen, und am Wissenschaftler sei es, sämtliche Auswirkungen seiner Forschungen zu bedenken, da es ebenso wie zwischen Tag und Nacht keine scharfe Grenze gebe zwischen Gut und Böse. „Mittag und Mitternacht aber kann man unterscheiden.”

Weizenbaum spricht assoziativ, schweift ab, erzählt Anekdoten und versteht es, seine Zuhörer zu fesseln. „Ich bin kein deutscher Professor”, kokettiert er. „Ich kann nicht vorlesen.”

Doch immer wieder kommt er auf einen seiner zentrale Überzeugungen zurück: dass die Menschen im Paradies leben könnten, wenn sie nur vernünftig seien. „Ob eine vernünftige Gesellschaft allerdings möglich ist, das ist eine ganz andere Frage.”

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