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Webdesign ohne Design

Eine Website muss gut aussehen. Doch das ist ein Missverständnis. Der Weg ins Netz – Teil 3.

Ein Buch wird immer erst geschrieben. Erst dann kommt der Gestalter dazu, definiert Format, entwirft den Umschlag, legt Schriftarten fest. Die Tatsache, dass sich an dieser Reihenfolge seit Gutenberg prinzipiell nichts geändert hat, legt den Schluss nahe: so verkehrt kann die Methode nicht sein.

Nun mag das Web ein völlig neues Medium sein. Doch es befremdet, dass viele Webdesigner und Kunden sich einig sind: das Layout muss stehen, bevor die Website programmiert und mit Inhalt gefüllt wird. Dumm nur, wenn am Ende irgendetwas nicht passt.

Ich habe es selbst erlebt: Da wird ein Menü horizontal angeordnet, alle Menüpunkte passen sauber hinein – und dann kommt, völlig unerwartet und zunächst nicht absehbar, ein weiterer Menüpunkt dazu. Dumm nur, dass für ihn kein Platz mehr vorhanden ist. Dann wird am Layout herumgefrickelt, um den Inhalt irgendwie passend zu machen, und manchmal hilft nicht einmal mehr das.

Modernes Webdesign macht es möglich, die Entwicklung einer Website von Kopf auf die Füße zu stellen: Nicht das Design ist der Ausgangspunkt. Sondern der Inhalt und dessen Verteilung auf der Website (nicht auf der einzelnen Seite!). Die Informationsarchitektur beantwortet Fragen, über die häufig zu spät nachgedacht wird: Was ist aus Sicht des Nutzers (der zuvor überhaupt zu beschreiben ist) wichtig – und nicht aus der des Sitebetreibers? Wie bewegt sich der Surfer durch die Website? Wo findet er welche Informationen? Der Informationsarchitekt versteht sich weder als Programmierer (obwohl er durchaus ein solcher sein kann), noch als Designer (obwohl er auch ein solcher sein kann) – ihm geht es um Strukturen, um Funktionen, unabhängig von der konkreten Technik und dem konkreten Design. Seine Arbeit ist bei komplexeren Websites zudem Voraussetzung, um eine sinnvolle Datenbankstruktur zu schaffen, die soowhl leicht erweiterbar ist als auch Redundanzen vermeidet.

Und während der Designer noch geduldig im Hintergrund wartet, machen sich Programmierer an die Arbeit, setzen die Architektur Ihrer Website in Befehle um. Schon wenig später können die ersten Inhalte eingestellt werden.

Dabei ist es gar nicht notwendig, dass die Programmierer ihre Arbeit abgeschlossen haben – im Gegenteil, wenn die Redakteure ihren Job möglichst zeitnah erledigen, werden potentielle Probleme früh offenbar. An der einen Stelle wird die Website ausgebaut werden müssen, an einer anderen kann vielleicht auf Funktionen verzichtet werden.

Zugegeben: schön wird Ihre werdende Website nicht aussehen. Weißer Hintergrund, schwarze Schrift, die Links blau unterstrichen, alle Inhalte einer Seite hintereinander angeordnet statt, wie üblich, in Spalten.

Doch wenn sich hier der unbedarfte Nutzer durchfindet, wenn die Website tatsächlich funktioniert, müssen Sie sich keine großen Sorgen des Layouts halber mehr machen. All zu viel Schaden kann nun kein Design(er) mehr anrichten.

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Über diese Website

elbwiese.de ist die Website von Thomas Steinberg, einem Journalisten und Webentwickler aus Dessau, der besonderen Wert legt auf standardkonform programmierte, barrierefreie Websites.

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