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Barrierefreiheit

Bündel verschiedener Maßnahmen, um Websites für Menschen und Maschinen besser zugänglich zu machen

Barrierefreiheit von Websites ist ein Schlagwort, das immer häufiger zu hören ist. Und genauso oft sind Gerüchte im Umlauf: Barrierefreiheit sei kompliziert, teuer und die Seiten hätten den Charme der Schaufensterauslage eines Sanitätshaus. Und Barrierefreiheit sei nur für Behinderte gedacht.

Alles falsch.

Barrierefreiheit bringt handfeste Vorteile – für den Nutzer und für den Betreiber:

  • Barrierefreiheit hilft Ihnen, Geld zu sparen: Ihre Website ist technisch einfacher zu pflegen.
  • Barrierefreiheit macht Ihre Websites fit für neue Browsertechniken: Die ersten sind schon mit Handys oder PDAs im Netz unterwegs.
  • Ein klare Struktur der Websites und zusätzliche Informationen zum Inhalt erhöhen die Chancen, in Suchmaschinen einen besseren Platz zu erreichen.
  • Ein schlankerer Code lässt Ihre Website schneller laden.
  • Ihre Website wird für den Nutzer leichter bedienbar.
  • Barrierefreiheit ist ein Imagefaktor
  • Für viele staatliche Einrichtungen ist Barrierefreiheit heute schon gesetzliche Pflicht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Pflicht auch auf Angebote von Firmen etc. ausgedehnt wird und schon jetzt juristische Angriffsmöglichkeiten auf Basis des Antidiskriminierungsgesetzes gegeben sind.
  • Behinderte, oder zumindest Menschen mit gewissen Einschränkungen, sind schon zahlenmäßig keine Randgruppe und sollten im eigenen Interesse nicht vom Besuch der Website ausgeschlossen werden. So lebt jeder zweite mit der einen oder anderen Form von Sehschwäche, allein 8 Prozent der Bevölkerung sind farbenblind. Dazu kommen alle nur erdenkbaren Formen von körperlichen Einschränkungen, die zum Beispiel die Bedienung der Maus unmöglich machen, von kognitiven Problemen und von geistigen Behinderungen.
  • Nicht jeder verfügt über einen neuen Browser, verfügt über schnelle Internetanbindungen und die hat alle Webfähigkeiten seines Browsers aktiviert. Barrierefreiheit macht die Inhalte trotzdem zugänglich.

Mehr als behindetengerecht

Barrierefreiheit ist ein problematisches Wort: es suggeriert häufig, dass Websites vor allem mit Sicht auf behinderte Nutzer ausgerichtet werden. Der Gesetzgeber tut das seinige, diesen Irrtum zu erhärten: die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz” (BITV), gültig für alle Websites des Bundes und seiner Einrichtungen, inzwischen von vielen Bundesländern in ähnlicher Weise übernommen, signalisiert schon im Titel, aus welchem Blickwinkel sie verfasst wurde.

Tatsächlich meint Barrierefreiheit mehr. Eine barrierefreie Website ist nicht nur für Behinderte leichter zugänglich, sondern ebenso für Suchmaschinen, für uralte Browser, für neuzeitliche Browser und für gänzlich neue Geräte, mit denen allmählich im Internet gesurft wird: Handys zum Beispiel oder PDAs.

Vorbei sind auch die Zeiten, da barrierefreie Websites sehr schlicht aussahen. Heute kann barrierefreies Webdesign modern und schick sein und gerade traditionell programmierte Website sehr alt und grau aussehen lassen.

Barrierefreiheit und Technik

Barrierefreiheit ist weniger eine spezielle Technik, als vielmehr ein Konzept, das ein ganzes Bündel von Maßnahmen umfasst, um eine Website zu optimieren. Diese umzusetzen, sit vor allem ein Aufgabe des Webentwicklers. Arbeitet er gut, spielt das Thema Barrierefreiheit in Ihrer täglichen Arbeit kaum mehr eine Rolle – sie ist »einfach da«. Deshalb steht hier die Technik am Anfang – obwohl sie das ist, was den Surfer überhaupt nicht interessiert. Sie muss einfach funktionierten.

Ganz vorn steht die Standardkonformität des Codes – die Basis der Barrierefreiheit. Zwar können Browser bis zu einem gewissen Grade Fehler im Code ausgleichen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grade. Wird gegen Standards verstoßen, besteht die Gefahr, dass Nutzer von Internethandys ebenso außen vor bleiben wie Blinde, die sich die Website von einem Screenreader vorlesen lassen wollen.

Zweite Voraussetzung: Inhalt und Layout müssen strikt voneinander getrennt sein. Noch vor wenigen Jahren war es vollkommen üblich, dass zum Beispiel die Anweisung, wie eine Überschrift aussehen soll, in den Quelltext der einzelnen Seite geschrieben wurde. Das blähte nicht nur den Code unmäßig auf. Wer zum Beispiel sehschwach und die Website mit stärkeren Kontrasten sich anzeigen lassen wollte, musste feststellen: das geht nicht.

Bis vor wenigen Jahren konnten Texte und andere Elemente einer Website nur in einer bestimmten Anordnung auf eine Seite gebracht werden, indem sie in imaginäre Tabellen gesteckt wurden. Damit stimmte zwar die Optik – im Code wurde aber der inhaltliche Zusammenhang häufig völlig aufgegeben, ging jede Hierarchie des Inhalts verloren. Schlecht für die Nutzer von Screenreadern, schlecht für Suchmaschinen. Tabellen haben heute im Layout einer Website nichts mehr zu suchen.

Schließlich müssen Rückfalllösungen vorgesehen werden, wenn ein Surfer im Browser Javascript abgeschaltet hat oder nicht die neueste Flashversion verwendet. Es ist gar nicht so selten, dass zum Beispiel die Navigation nicht funktioniert, wenn Javascript abgeschaltet wird. Die meisten haben Javascript aber doch eingeschaltet? Immerhin 3 bis 4 Prozent haben es nicht (auch jeder der mit dem Handy surft) und kann sich deshalb nicht durch die Website hangeln. Und: Google, Yahoo und Co. sind ebenfalls ohne Javascript unterwegs. Und die sollten auf jeden Fall das gesamte Angebot einer Website durchforsten können.

Barrierefreiheit und Gestaltung

Einmal hat jemand gefragt: „Woran erkannt man Barrierefreiheit?” Und selbst die Antwort gegeben: „Gar nicht. Das ist ja das Schöne.”

Es gibt also kein spezielles barrierefreies (oder gar behindetengerechtes) Webdesign. Gutes Websdesign ist automatisch barrierefrei. Es liefert ausreichend starke Kontakte, bevorzugt klare Schriften und meidet winzige Buchstaben. Gutes Webdesign signalisiert jede Funktion auch optisch und setzt nicht darauf, dass der Surfer schon irgendwie darauf kommt, da oder dort zu klicken. Gutes Webdesign schafft klare Strukturen. Und es will nicht betont originell sein: Jeder Surfer weiß zum Beispiel, dass Links meist unterstrichen sind. Kein Grund, von diesem Quasistandard abzuweichen.

Barrierefreiheit und Mehrarbeit

Gelegentlich kommt die Befürchtung auf, dass Barrierefreiheit dem Website-Betreiber zusätzliche Arbeit beschert. Tatsächlich ist – zumindest beim Einsatz eines Content Management Systemsder Mehraufwand gering, um die wichtigsten Ansprüche an Barrierefreiheit zu erfüllen.

Ganz oben steht: Inhalte, die keine Texte sind, müssen in Textform beschreiben werden. Und das meint nicht mehr, als dass zum Beispiel Bilder Bildtexte erhalten müssen.

Das war es schon fast. Natürlich kann der Website-Betreiber noch mehr tun, etwa eine Abkürzung bei ihrem ersten Auftreten erläutern. Sprachwechsel anzeigen usw. Doch hier ist stets eine Rücksprache mit dem Webentwickler sinnvoll, denn so schön manche Vorschläge in der Theorie, erweisen sie sich in der Praxis als problematisch, weil Browser zum Beispiel bestimmte Zusatzinformationen nicht verarbeiten können.

Über diese Website

elbwiese.de ist die Website von Thomas Steinberg, einem Journalisten und Webentwickler aus Dessau, der besonderen Wert legt auf standardkonform programmierte, barrierefreie Websites.

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