Kalb am Lasso
Das Kalb ist grün, so groß wie ein Erstklässler. Unermüdlich zuckelt es dem roten Quad von Victoria Schumann hinterher: Das Feld hoch. Wende. Das Feld runter. Wende. Das Feld hoch.
Und immer wieder setzen Männer auf kleinen, agilen Pferden dem Kalb nach. Schwingen ein Lasso über den Köpfen, lassen es fliegen und wenn Geschick und vielleicht ein wenig Glück zusammenkommen, zieht sich die Schlinge um die Hörner des Kalbs zusammen. Ein leichter Ruck am Lasso nach oben genügt, damit das Kalb die Hörner zusammenlegt und das Seil wieder freigibt.
Es ist Sonntagvormittag und eine Wiese bei Keutsch wird für ein paar Stunden zur amerikanischen Prärie. Vor 19 Jahren hat Familie Heß im Dessauer Vorort die nach ihnen benannte Ranch gegründet und am Wochenende zu einer „Roping-Clinic" eingeladen, einem Lassowurf-Workshop.
Auf der Wiese bei Keutsch trifft sich an diesem Vormittag eine bunte Gruppe: Die Gäste kommen aus dem Harz oder aus dem Ruhrgebiet, und während im Pferdesport meist Frauen dominieren, ist Roping, das sportliche Lassowerfen, fast eine reine Männerangelegenheit.