Dessau, 7. Januar
Miriam steht auf der Treppe vor dem Dessauer Polizeirevier und reckt die Faust in die Höhe, eine Geste des Protests gegen den Tod von Oury Jalloh und dessen bis heute nicht vollständig aufgeklärten Umstände.
Der aus Sierra-Leone stammenden Jalloh wurde am 7. Januar 2005 festgenommen, weil er schwer betrunken Frauen belästigt haben soll. Zweieinhalb Stunden später verbrannte er in Zelle 5 des Polizeireviers. 2012 – also nach sieben Jahren – wurde der an jenem Abend zuständige Dienstgruppenleiter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt.
Bis heute konnte die Todesursache nicht endgültig geklärt werden. Die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ ist überzeugt, dass Jalloh ermordet wurde und diese Tatsache vertuscht werden soll – beides Folgen und Ausdruck eines institutionellen Rassismus. Mehrere von ihr in angestoßene Gutachten ergaben Unstimmigkeiten bei den Ermittlungen. 2017 übernahm der Leitende Oberstaatsanwalt in Dessau die Mordthese, wurde indes von den Ermittelungen bald entbunden. Vom Landtag beauftragte unabhängige Gutachter sahen Fehler bei der Polizei, aber keine ausreichende Ansätze für Mordermittlungen.
Dennoch will die Initiative nicht aufstecken. Jedes Jahr am 7. Januar demonstriert sie in Dessau unter dem Slogan „Oury Jalloh – das war Mord“ und plant weitere juristische Schritte.