Das Porträt des Architekten
Günther Gaudl hat als Architekt maßgelblich das Nachkriegs-Stadtbild von Dessau mitgeprägt. Ob die Zerbster Straße, die drei Hochhäuser an der Mulde oder das „Haus der Reisens“ an der Kavalierstraße – an allen hat er mitgearbeitet. Wie meist üblich in der DDR, wurden die Entwürfe nicht mit den Namen einzelner Architekten verbunden, sondern als Kollektivleistungen präsentiert.
Später hatte sich Gaudl selbständig gemacht und auf die Sanierung von Kirchen spezialisiert. So baute der die Pauluskirche komplett um, damit dort das Archiv der Landeskirche Anhalts einziehen kann.
Einige Tage nach seinem 90. Geburtstag besucht Gaudl nochmals diese Kirche. „Das ist alles rund“, urteilt er mit dem Abstand von Jahrzehnten. „Nur das mit den Dächern würde ich heute anders machen.“
Und wie findet er ses, wenn „seine“ Gebäude umgenutzt und -gestaltet werden. Gaudl ist in diesem Punkt völlig entspannt: „Wir Architekten bauen nicht für die Ewigkeit.“